Hermann Segnitz

(6. Januar 1923 – 28. August 2006)

Am 6. Januar 2023 hätte Hermann II Segnitz seinen 100. Geburtstag gefeiert.

In der Geschichte des Bremer Weinkolleg spielen Hermann Segnitz und seine Frau Ursel Segnitz (geb. Lühe) eine wichtige Rolle, denn durch ihre gemeinsame Initiative wurde die Firma A. Segnitz & Co. zu einem wichtigen Bestandteil der Bremer Geschichte.

Ursel und Hermann Segnitz, 1994
Als sechstes Kind von Adolf IV Segnitz hatte Hermann II von 1933 bis 1939 das humanistische Alte Gymnasium in Bremen besucht, absolvierte seine Prima-Reife (welche heute der Fachhochschulreife entspräche) und besuchte daraufhin für mehrere Monate das Internat Le Rosey in Rolle in der Schweiz, bis er 1941 den Reichsarbeitsdienst in der Wehrmacht antrat. Während eines Einsatzes im Osten (Kessel von Welikijeluki) erlitt er eine Verwundung im Rücken sowie Erfrierungen dritten Grades, was eine rechtsseitige Halbfußamputation nach sich zog. Für den Wehrdienst galt er fortan als einsatzunfähig. Im Sommer 1945 begann Hermann II eine Ausbildung zum Kaufmann bei der Reederei DG „Neptun“ in Bremen. Nachdem er seine Lehre 1950 beendet hatte, verbrachte er ein Jahr bei der Schiffsmaklerfirma Stelp & Leighton in London, bis er dann in die Firma A. Segnitz & Co. seines Vaters eintrat.

Durch die Belieferung von Einzelhandelsketten stieg auf dem Weinmarkt die Nachfrage nach günstigeren Preisen statt Qualität, wodurch die Gewinnspanne von A. Segnitz & Co. schrumpfte. Um diese wieder zu erhöhen, ersetzte Hermann II die günstigen Massenweine durch bekannte und qualitativ hochwertigere Weine bekannter Weingüter. Ein Schritt, den der internationale Weinmarkt genau und anerkennend beobachtete.

Durch Reisen und persönliche Kontakte konnte Hermann II neues Vertrauen zu Lieferanten aufbauen, stabilisierte dadurch bestehende Geschäftsbeziehungen und knüpfte neue Partnerschaften.

Nachdem es 1978 zu einem Umschwung bei Segnitz gekommen war, übernahm Hermann II noch 11 weitere Jahre gemeinsam mit Hans-Peter Puchert die Geschäftsführung und wurde 1988 erstes ausländisches Ehrenmitglied der Académie du Vin de Bordeaux. 1989 zog er sich aus der Geschäftsführung zurück, Teilhaber und Hauptgesellschafter von Segnitz blieb er jedoch weiterhin.

Seine Frau Ursel stand ihm dabei stets zur Seite.

Nach einem Firmenumzug vom Bremer Hafengebiet nach Weyhe veräußerte Hermann II 1995 die A. Segnitz & Co. an die befreundete Familie Underberg.

Hermann II gründete daraufhin die Segnitz-Stiftung, welche bis heute den Nachwuchs der Wirtschaftswissenschaften durch Prämierungen von Dissertationen fördert.

Hermann Segnitz war zudem Vorsitzender des Bundes Freiheit der Wissenschaft in der Sektion Bremen und setzte sich stark gegen die Politisierung der Universitäten und des allgemeinen Wissenschaftsbetriebes ein. Er war Mitglied im Club zu Bremen und in der Deutschen Vereinigung zur Förderung der internationalen Konfliktforschung. Im Verband der Weingroßhändler und Spirituosenhersteller war er zeitweise als Vorsitzender tätig.

Das Lebenswerk von Hermann II Segnitz bleibt unvergessen. Die Vorstände der Segnitz-Stiftung standen ihm sehr nah und führen sein Engagement seit 2006 mit der jährlichen Verleihung des Segnitz-Preises an den Nachwuchs der Wirtschaftswissenschaftler:innen fort.

Die Historie des Weinkontors A. Segnitz & Co.